Attraktivität von Mieterstrom-Modellen erhöhen

Energieversorger sind auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen. Bei richtiger Ausgestaltung können smarte Mieterstrommodelle eine Lösung zur Diversifizierung des Portfolios bieten.

Mieterstrom oder mein Stromversorger von nebenan? Dieser Frage werden sich in naher Zukunft immer mehr Verbraucher in Deutschland stellen. Wird im Haus des Mieters Strom durch Solaranlagen oder dem BHKW erzeugt, hat der Endkunde die Wahl, seinen Strom aus der lokalen Erzeugung, anstatt aus dem Netz zu beziehen.

Mieterstrom ist günstig, denn einige Kostenbestandteile wie z.B. Netzentgelte, Stromsteuer und die Konzessionsabgaben müssen nicht entrichtet werden. Preissensitive Kunden werden von Mieterstromanbietern abgeworben, da Preisvorteile bei einem homogenen Produkt, wie Strom, sehr gut funktionieren. Der Endnutzer muss nicht befürchten, dass die Qualität des Produktes mit dem Preis abnimmt.

Damit wächst der Druck auf die angestammten EVUs. Das Potential für Mieterstrom in Deutschland beträgt ca. 3,8 Mio. Wohnungen, also grob 10% aller Stromverträge.  

Die Betreiber der Mieterstrommodelle müssen die andere Seite der Gleichung lösen. Obwohl sie einen Preisvorteil haben, mindert jeder Nachlass pro Kilowattstunde die Marge. Werden nicht genug Bewohner zur Stromabnahme überzeugt, d.h. die im Vorfeld geplante Beteiligungsquote nicht erreicht, kann das Vorhaben schnell unrentabel werden.Der Überschuss muss mit geringerer Vergütung eingespeist werden, was nicht lukrativ ist. Zudem konkurrieren Mieterstromanbieter auch untereinander um Objekte. Wie also Attraktivität des eigenen Angebotes erhöhen? 

Der Mieter ist der Erfolgsfaktor. Wer seine Akzeptanz am Anfang des Projektes gewinnt und den Kunden langfristig halten kann, ist klar im Vorteil. Sind Zusatzangebote rund um den Mieterstrom vorhanden, kann auch der Preis bei gleichbleibender Akzeptanz erhöht werden. Um die Aufmerksamkeit und das Engagement des Mieters zu verstärken, stehen dem Anbieter, dank der voranschreitenden Digitalisierung und neuer Produkte, innovative Instrumente zur Verfügung.  

Dabei kann der Mieterstromanbieter sich bei den Standards in anderen Branchen inspirieren lassen. Bei vielen Dienstleistungen im täglichen Leben spielen Komfort und Flexibilität eine wesentliche Rolle. Der Konsument ist es gewohnt digital Produkte zu bestellen z.B. Amazon, seine Daten über Apps zu verwalten, transparent abgerechnet zu werden. 

Der Mieterstromanbieter kann ähnliche digitale Erlebnisse für seinen Mieter anstreben. Vorteilhaft ist dabei, dass in der Regel in diesen Projekten Smart Meter verbaut werden, die wichtige Daten für digitale Dienstleistungen liefern können. Damit haben diese Projekte einen wesentlichen Vorteil gegenüber der üblichen Belieferung, bei der moderne Messeinrichtungen im Standard verbaut werden.

Diese Basisangebote können um neue Angebote, z.B. rund um E-Mobilität ergänzt werden. Zum einen wird das Gesamtangebot für den Mieter attraktiver.  Zum anderen können diese Produkte dazu eingesetzt werden um die Wirtschaftlichkeit von Mieterstrommodellen erhöhen.

Das Potential für die Weiterentwicklung von Mieterstrommodellen ist enorm. In den kommenden Jahren werden wir eine Verzahnung von bestehenden Lösungen, digitalen Instrumenten (Apps) und neuen Produkten (E-Mobilität) erleben. Diese Entwicklung wird auch dazu führen, dass die EVUs, die sich heute gegen dieses Geschäftsfeld entschieden haben, ihre Entscheidungen überdenken werden. Idealerweise sind sehen wir heute schon die ersten Vorreiter, die mit Innovationen den Weg dahin bereiten.

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